Whitelisting für Programme
Ein Applikationen-Whitelisting, wie es bei Windows mit beispielsweise AppLocker oder sogenannten Richtlinien für Softwareeinschränkungen (SRP) verfügbar ist, gibt es für Linux®-Systeme nicht in identischer Form. Es gibt jedoch verschiedene Ansätze, die Ausführung von Programmen auf definierte Anwendungen, Dateien, Dienste oder Integritätszustände zu beschränken. Diese Ansätze sind jedoch weniger einheitlich und in der Regel komplexer in Konfiguration und Betrieb als unter Windows.
Grund hierfür ist eine erhöhte Komplexität durch Kommandozeile, Skripte, Interpreter und flexible Werkzeugketten bei Linux®-Systemen gegenüber der zumeist grafischen Eingabe unter Windows. Ein strikt durchgesetztes Applikationen-Whitelisting ist daher grundsätzlich möglich, in der Praxis jedoch häufig mit erhöhtem Pflege- und Testaufwand verbunden. Insbesondere bei Beckhoff RT Linux®-Systemen muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass sicherheitsbezogene Zusatzmechanismen je nach Ausprägung Einfluss auf Laufzeitverhalten, Wartbarkeit und Echtzeiteigenschaften haben können.
Stattdessen sollte genau darauf geachtet werden, aus welcher Quelle Pakete bezogen werden und welche Pakete auf dem System installiert sind. Es ist empfehlenswert, ausschließlich vertrauenswürdige und kontrollierte Paketquellen zu verwenden und nur die Software zu installieren, die für den bestimmungsgemäßen Betrieb tatsächlich erforderlich ist. Nicht benötigte Programme, Dienste, Interpreter, Compiler und Administrationswerkzeuge sollten entfernt oder gar nicht erst installiert werden (siehe: Entfernen nicht mehr benötigter Komponenten).
Zusätzlich kann die Ausführung unerwünschter Programme durch geeignete Systemhärtungsmaßnahmen erschwert werden. Hierzu zählen beispielsweise restriktive Dienstkonfigurationen, Integritätsprüfungen, die Einschränkung schreibbarer Bereiche sowie geeignete Dateisystemoptionen. In der Praxis ist für Beckhoff RT Linux®-Systeme jedoch häufig ein reduzierter, kontrollierter und regelmäßig überprüfter Softwarebestand der naheliegendste und wartungsärmste Ansatz.